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Fotos: Alexander Mengel

Zottelige Schönheiten

Artikel von Christine Röhling am 21.11.2017

Schottische Hochlandrinder bereichern die Weiden in Unterelsbach

Kaum nähern wir uns der weitläufigen Koppel im unterfränkischen Unterelsbach, kommt bereits eine Herde aus weiß und rotbraun gefärbten, zotteligen Tieren auf uns zugelaufen. Allen voran Angel, die es scheinbar besonders eilig hat. Aufgeregt begrüßt sie ihren Halter Udo Schellenberger mit lauten Muh-Rufen. Als dieser das Gatter öffnet, stupst sie ihn mit ihrer kalten, schneebedeckten Schnauze leicht fordernd an. Mit ihren langen weißen Haaren und den tiefseeblauen Augen ist sie eine echte Schönheit.

„Ist ja gut, Angel. Du möchtest doch nur wieder gestreichelt werden“, lacht Udo Schellenberger und krault das zuneigungsbedürfte Tier am Hals. Etwas anderes scheint jedoch mehr ihre Aufmerksamkeit auf den gebürtigen Rhöner zu lenken: Aus seiner Jackentasche schauen trockene Brotreste heraus, die die langhaarige Dame gerochen haben muss. Und schon wird sie mit diesem besonders schmackhaften Leckerli gefüttert. Angel ist ein Schottisches Hochlandrind und zwar eine Kuh und darüber hinaus Mutter. Mit ihren 7 Jahren hat sie schon einige kleine Rinder auf die Welt gebracht.



Zwei davon sind noch relativ jung und folgen ihr auf Schritt und Tritt – und nicht nur dann, wenn es um leckeres Brot geht. „Die Hochlandrinder sind Herdentiere und leben in einem starken Sozialverband. Wenn eins etwas Spannendes entdeckt, folgen die anderen umgehend“, erklärt Udo Schellenberger. Doch nicht etwa aus Angst, etwas zu verpassen, sondern aus Freundschaft und Zuneigung zu den Gleichgesinnten.

Generell sind die Tiere, die ursprünglich aus dem Nordwesten Schottlands stammen, sehr zutraulich und haben ein ruhiges Gemüt. Genau das ist es, was Udo Schellenberger so an ihnen mag. „Ihr urtümliches, zotteliges Aussehen und ihre Robustheit gepaart mit dem gemütlichen Charakter machen sie zu einem unheimlich interessanten und liebenswürdigen Tier.“ Seit 2010 hält und züchtet er Schottische Hochlandrinder – aus Leidenschaft und Überzeugung. Was mit einer kleinen Herde anfing, nimmt mittlerweile einen großen Teil seines alltäglichen Lebens ein. Dabei kommt ihm vor allem zugute, dass die relativ kleinen Rinder mit dem langen Fell und der langen, die Augen verdeckenden Mähne sehr genügsam sind. So können sie das ganze Jahr über im Freien leben. Einen Stall brauchen seine Kühe, die Kälber und die Bullen nicht. Im Gegenteil: Die Tiere sind gerne draußen – und das auch bei eisigen Temperaturen im Winter oder strahlender Sonne im Sommer. Selbst Kalbungen bei Minusgeraden und bis ins hohe Kuhalter von 15 bis 20 Jahren können problemlos erfolgen.



Bei frischer Milch aus dem Euter wachsen seine Kälber bei ihren Müttern auf. Durch das saftige Gras im Sommer und das duftende Heu in den Wintermonaten wächst das Schottische Hochlandrind langsam heran. Was es darüber hinaus jedoch gerne in Anspruch nimmt: Regelmäßige Streicheleinheiten beim Striegeln des Fells und jede Menge Leckerlis natürlich. Nach der beliebten Schönheitskur mit der Bürste glättet sich sogar das sonst sehr zottelige Fell und glänzt in der hellen Wintersonne. Seit mehr als 200 Jahren wird das Hochlandrind ohne Einkreuzung von anderen Rinderrassen in Schottland gezogen und gilt als eine der ältesten Haus-Rinderrassen. Ende der Siebzigerjahre kam es nach Deutschland und ist heute insbesondere in der extensiven Landwirtschaft ein gern gesehener Weidenbewohner. Seine ursprünglichen Eigenschaften und Merkmale hat es den rauen, kargen und harten Bedingungen des schottischen Hochlandes und seiner vorgelagerten Inseln anpasst und bis heute beibehalten.

Die ursprüngliche Farbe der Rasse war schwarz, wechselte durch Züchtung jedoch zum heute vorherrschenden rötlich-braun. In der Herde von Udo Schellenberger leben aber auch weiße und hellbraune Kühe sowie Bullen mit tiefschwarzem Fell. Freuen tut er sich über diese Vielfalt schon – wobei sie für ihn keinesfalls ausschlaggebend ist. Ihm ist wichtig, dass die Tiere sich wohlfühlen und ein schönes Leben haben.



Das dauert bei manchen seiner Rinder viele Jahre, bei anderen jedoch höchstens vier. Denn dann ist das Fleisch ausreichend lange gereift und das ideale Schlachtalter erreicht. Kein einfacher Schritt für den Tierliebhaber, der seine Schützlinge täglich mit viel Liebe und Fürsorge versorgt. „Doch ich denke, bei mir hatten sie wirklich ein gutes Leben, in Freiheit, mit viel Platz und einer Portion Menschenliebe“, sagt er. Außerdem lebt ein Schottisches Hochlandrind im Durchschnitt fast fünfmal so lange wie ein herkömmliches Mastrind.

Ist die Zeit für eines seiner Tiere gekommen, achtet Udo Schellenberger vor allem auf ein stressfreies Ende. Kurze Wege zum Schlachthof seines Vertrauens sowie eine schonende Verladung und schnelle Betäubung vor Ort sind für ihn sehr wichtig. Sein Anspruch: „Ich möchte, dass meine Rinder einen schönen letzten Weg haben.“

Der Rhöner, der drei Jahre am Holzberghof lebte, wo seine Tiere noch heute in den Sommermonaten weiden, lässt nur auf Vorbestellung ein Tier schlachten. Er wartet so lange, bis alle Teile einen Abnehmer gefunden haben – bestellen kann man bei ihm per Telefon oder E-Mail. Das qualitativ hochwertige, fein marmorierte Fleisch, das vor allem durch langsames Heranwachsen, die Haltung im Freien und die natürliche Ernährung seinen besonderen Geschmack entfaltet, erinnert eher an Wild als an Rind. Dadurch wird es immer beliebter und häufiger nachgefragt. Auch in der Gastronomie ist es mittlerweile angekommen.

Bei Schellenberger bestellen vor allem diejenigen, die Wert auf eine artgerechte und gesunde Haltung der Tiere legen. Sein Plan für die Zukunft: Die Herde vergrößern. So wird es schon bald viele weitere schöne Hochlandrinder geben, die in der Rhön bewundert werden können. Denn das lassen sie sich wirklich gerne!

Steckbrief
Herkunft: Nordwesten Schottlands, Hebriden
Größe: Schulterhöhe Bullen bis 130 Zentimeter, Kühe bis 120 Zentimeter
Hörner: Bei Bullen sind die Hörner stark waagerecht nach vorne gebogen, bei Kühen sind sie weit ausladend, neigen nach oben und können so eine Spannweite von bis zu 160 Zentimetern erreichen.
Gewicht: Bullen bis 1.000 Kilogramm, Kühe bis 700 Kilogramm
Züchtung: Herdbuch existiert seit 1884
Lebenserwartung: circa 20 bis 25 Jahre
Tragzeit: 9 Monate
Geschlechtsreife: nach etwa 1,5 bis 2 Jahren
Futter: Gras, Heu

Kontakt
Udo Schellenberger
Hauckweg 19
97656 Oberelsbach-Unterelsbach
Telefon (0160) 95128787
highlandcattles@web.de
www.us-highlands.de

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